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<title>Tatherrschaft</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Tatherrschaft</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Tatherrschaft</b> ist ein Begriff aus der <a href="Strafrecht" title="Strafrecht">strafrechtlichen</a> Tatherrschaftslehre, die zur Abgrenzung von <a href="Beteiligung_(Strafrecht)" class="mw-redirect" title="Beteiligung (Strafrecht)">Täterschaft und Teilnahme</a> herangezogen wird. Es geht also um die Frage, wer die <i>Zentralfigur</i><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> des konkreten Handlungsgeschehens und somit <a href="T%C3%A4ter_(Strafrecht)" title="Täter (Strafrecht)">Täter</a> gemäß <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__25.html">§ 25</a></span> <a href="Strafgesetzbuch_(Deutschland)" title="Strafgesetzbuch (Deutschland)">StGB</a> ist (und nicht etwa nur Anstifter oder Gehilfe).
</p><p>Probleme entstehen bei der Abgrenzung vor allem zwischen der <a href="Mittelbare_T%C3%A4terschaft" class="mw-redirect" title="Mittelbare Täterschaft">mittelbaren Täterschaft</a> und <a href="Anstiftung_(Deutschland)" title="Anstiftung (Deutschland)">Anstiftung</a> und <a href="Mitt%C3%A4terschaft" class="mw-redirect" title="Mittäterschaft">Mittäterschaft</a> und <a href="Beihilfe_(Strafrecht)" title="Beihilfe (Strafrecht)">Beihilfe</a>. Je nachdem, welche der Beteiligungsformen gewählt wird, schwankt die Strafbarkeit der Beteiligten.
</p><p>Der BGH vertrat hierzu früher die sog. <i>animus-Theorie</i>. Danach ist Täter, wer Täterwille habe (sog. <i>animus auctoris</i>), Teilnehmer, wer einen Teilnehmerwillen habe (sog. <i>animus socii</i>).<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Im Gegensatz zu der <i>animus-Theorie</i>, erfolgt die Abgrenzung nach der Tatherrschaftslehre nicht vorwiegend nach subjektiven Merkmalen des Täters, sondern vorwiegend nach seinen objektiven Merkmalen. Die Tatherrschaft ist damit <i>das vom <a href="Vorsatz_(Deutschland)#Deutsches_Strafrecht" class="mw-redirect" title="Vorsatz (Deutschland)">Vorsatz</a> erfasste „In-den-Händen-Halten“ des tatbestandlichen Geschehens</i><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bzw. die vom Willen getragene beherrschende Steuerung des Tatablaufs.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese liegt bei demjenigen vor, der die Tat nach seinem Willen hemmen oder ablaufen lassen kann.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Folgende Formen der Tatherrschaft werden unterschieden:
</p>
<ol><li>Die Tatherrschaft des unmittelbaren Täters (<b>Handlungsherrschaft</b>) <b>= unmittelbare Täterschaft</b>
<dl><dd>= Tatherrschaft besitzt, wer objektiv das „Ob“ und „Wie“ der Tatbestandsverwirklichung beherrscht und einen entsprechenden Willen besitzt, somit das Tatgeschehen in seinen Händen hält.
<ul><li>Bsp.: A entwendet das Fahrrad des O</li></ul></dd></dl></li>
<li>Die Tatherrschaft des Hintermannes über den Vordermann durch ein überragendes Wissen (<b>Wissensherrschaft</b>) <b>= mittelbare Täterschaft</b>
<dl><dd>= Der Hintermann nutzt bewusst einen beim Tatmittler vorliegenden „Defekt“ aus – also etwa, dass dieser nicht vorsätzlich bezüglich der Tatbestandsverwirklichung handelt (im unteren Beispiel also hinsichtlich einer Körperverletzung des O).
<ul><li>Bsp.: A sagt B: „Hier ein ungeladenes Gewehr. Schieß auf O und jage ihm einen richtigen Schreck ein.“ In Wirklichkeit ist die Waffe geladen, was dem B jedoch nicht bekannt ist. Er vertraut A und verletzt O durch den Schuss. Der A hatte eine Tatherrschaft über B, damit scheidet die Teilnahmefunktion des A aus – er ist mittelbarer Täter.</li></ul></dd></dl></li>
<li>Die Tatherrschaft des Hintermannes über den Vordermann durch ein überragendes Wollen (<b>Willensherrschaft</b>) <b>= mittelbare Täterschaft</b>
<dl><dd>= Der Vordermann befindet sich in einer besonderen Abhängigkeit vom Hintermann. Diese kann zum Beispiel bei einem Schuldunfähigen oder Genötigten der Fall sein.
<ul><li>Bsp.: Der geistige Mentor A sagt seinem psychisch labilen und von A völlig abhängigen Schüler B, er solle O töten. B tut dies ohne Widerrede. Der A hatte hier kraft Ausnutzung der <a href="Schuldunf%C3%A4higkeit" title="Schuldunfähigkeit">Schuldunfähigkeit</a> die Willensherrschaft über B und war daher mittelbarer Täter.</li></ul></dd></dl></li>
<li>Die Tatherrschaft durch eine Organisationshierarchie (<b>Organisationsherrschaft</b>) <b>= mittelbare Täterschaft</b>
<dl><dd>= Der Vordermann befindet sich in Abhängigkeit von einer stark organisierten Hierarchie (<a href="Mafia" title="Mafia">Mafia</a>, Militär usw.) und muss sich dieser "beugen".
<ul><li>Bsp.: Der A ist „<a href="Mafia" title="Mafia">Mafiaboss</a>“, der dem ihm hörigen B befiehlt, T zu töten. B tut dies aus Angst um sein Leben und seine Stellung in der Hierarchie. A ist als mittelbarer Täter zu bestrafen.</li></ul></dd></dl></li>
<li>Die Tatherrschaft der arbeitsteiligen Mittäter (<b>funktionelle Tatherrschaft</b>) <b>= Mittäterschaft</b>
<dl><dd>= Die Täter begehen die Tat aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes (der auch situativ – also spontan – gefasst werden kann) gemeinsam und tragen dabei arbeitsteilig jeweils mit eigenen Handlungen zur Tatbestandsverwirklichung bei, ohne die der Taterfolg auf diese Weise nicht möglich gewesen wäre.
<ul><li>Bsp.: A hält den T fest, damit B diesen erschlagen kann. Wenn A den T nicht festhielte, könnte T fliehen und B den Tatbestand des Totschlags nicht verwirklichen. A und B sind als Mittäter zu bestrafen.</li></ul></dd></dl></li></ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Hauf, Strafrecht AT, 2. Auflage 2001, S. 75</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">vgl. Joecks, § 25 StGB, 4. Auflage 2003, Rn. 3.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Maurach: <i>Strafrecht AT</i>. 4. Auflage, § 49 II C 2.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Samson, Strafrecht II, S. 72</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Frisch, LdR, S. 975; Hillenkamp, 19. AT-Problem, S. 160</span>
</li>
</ol>
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